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Reparaturgeschichten

gretchens fragen: Reparaturgeschichten

Montag, 9. Mai 2016

Reparaturgeschichten

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Seit ein paar Monaten habe ich einen Capsule Wardrobe. Das heißt, dass ich für eine gewisse Zeit nur eine gewisse Zahl an Kleidungsstücken in meinem Kasten haben darf. Bei mir sind es 35 Stücke für drei Monate. Die Inspiration dazu kam im Wesentlichen von einer ganz lieben Freundin und von Light By Coco.

Ich hätte eigentlich gedacht, dass es viel schwerer werden würde, auszuwählen, woraus mein Capsule Wardrobe für den Frühling bestehen sollte. Es hat sich beim Durchschauen meines Kastens allerdings sofort herausgestellt, dass ich meine ganze Kleidung auf drei Stapel aufteilen konnte. Einen Stapel mit Sachen, die ich liebe, die mir passen, die ich ständig anziehe und in denen ich mich wohlfühle. Einen Weiteren mit Sachen, die ich zwar mag, bei denen ich aber einen Moment länger gezögert habe, eine Art Vielleicht-Stapel. Und einen Letzten mit Sachen, die ich teilweise schon jahrelang nicht mehr anhatte, die mir nicht mehr passen oder in denen ich mich unwohl fühle.
Mein Capsule Wardrobe besteht nun im Wesentlichen aus dem ersten Stapel mit ein, zwei Ergänzungen vom Vielleicht-Stapel. Und ich liebe alles daran. Dass ich weniger Zeug in meinem Kasten habe, dass ich beim Auswählen und Anziehen schneller bin, dass ich nicht jedes Mal auch alle meine Sommer- oder Wintersachen durchschauen muss, wenn ich etwas suche. Dass ich keine Zeit und kein Geld für neue Kleidung verschwende, die ich eigentlich gar nicht brauche. Dass ich so viel Freude an den wunderschönen Dingen habe, die ich bereits besitze.

Was außerdem passiert ist, ist, dass ich Kleidungsstücke, die ich extrem gerne mag, die aber kaputt waren oder geändert werden mussten, reparieren ließ oder aber selbst reparierte. Ich habe meine Stiefeletten zum Schuster gebracht, der hat sie neu besohlt. Ein Schneider hat einen kitschigen Rüschenbesatz von einer Bluse entfernt und eine Hose enger gemacht. Und auch wenn ich wirklich nicht das größte Talent dafür habe, habe ich diese Bluse mit weißem Kragen selbst repariert.

Ich habe die Bluse vor etwa zwei Jahren bei Zara gekauft, als ich Fair Fashion noch nicht kannte und nicht wirklich wusste, was ich da mache. Und da beim ersten Anprobieren zuhause die Stickerei am perlenbesetzten Kragen aufging, habe ich sie dann nicht mehr getragen. Zwar aufgehoben, aber über zwei Jahre lang nichts unternommen, um sie zu reparieren. Eine echte Schrankleiche.
Ich schäme mich dafür, dass ich sie bisher nicht mehr geschätzt habe, dass mir nicht bewusst war, wie wertvoll jedes einzelne Kleidungsstück ist. Dass es Ressourcen verbraucht hat, dass menschliche Hände es genäht, es bestickt haben.

Deshalb habe ich mir in einem Handarbeitsgeschäft in der Nähe eine Perlennadel gekauft (die ist ein bisschen dünner und biegsamer als gewöhnliche Nähnadeln) und habe einen Abend lang die paar winzigen Perlen wieder angenäht, die gefehlt hatten. Zwar musste ich einige Male wieder neu anfangen und war nach einer Zeit schon richtig frustriert, aber es hat schlussendlich doch geklappt.
Und ich bin so, so froh darüber. Es fühlt sich gut an, etwas wertzuschätzen, etwas mit Sorgfalt zu behandeln, etwas auch einmal zu reparieren. Weil Kleidungsstücke eigentlich lauter kleine Schätze sind.

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Version 2

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Bluse: Zara (alt)
Hose: Koi
Tasche: Denise Roobol
Schuhe: Paul Green (2nd Hand über Willhaben)
Ohrringe: People Tree


Koi: Niederländisches Label, Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit, Qualität und Liebe zum Detail.
Denise Roobol: PETA-Approved Vegan, hergestellt in einem kleinen Atelier in der Nähe von Hongkong.
People Tree: Die Ohrringe sind in Kenya in Handarbeit von Bombolulu, einer Producer Group, die Menschen mit körperlicher Behinderung beschäftigt, gemacht worden.


Habt ihr auch Reparaturgeschichten, die ihr gerne mit mir teilen wollt?

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8 Kommentare:

Am/um 9. Mai 2016 um 20:22 , OpenID rosydust meinte...

So eine schöne Figur! Die hohe Hose und die Bluse passen echt super zusammen :) Hab von der capsule wardrobe schon ein paar mal bei ViviannaDoesMakeup gelesen/gesehen, hab mich damit aber noch nie selbst befasst. Sollte ich aber mal, denn ich bin mir sicher, bei mir liegt in den untersten Schubladen auch genug, das mal raus müsste und ich wieder "lieben" lernen sollte :)

 
Am/um 9. Mai 2016 um 21:55 , Blogger Sabrina Schlack meinte...

Die Hose ist ja mega schön! Ich bin grad ganz aus dem Häuschen, weil ich gesehen habe, dass Kings of Indigo auch Jeans in W24 anbietet, das tut sonst keine Marke, die ansonsten meinen Ansprüchen gerecht wird. Die, die du da trägst, hat die einen Lederpatch?

Ich find es auch immer wieder bewundernswert, wenn jemand das Experiment "Capsule Wardrobe" wagt. Für mich wäre es glaube ich nichts, ich experimentiere viel zu gerne mit verschiedenen Stilen. Dabei trage ich (fast) alles, was ich besitze, auch wenn es im Vergleich zu vielen anderen Slow Fashion Bloggern ne ganze Menge Sachen sind! :)

Liebe Grüße
Sabrina von WHAT PIXIES WEAR

 
Am/um 10. Mai 2016 um 06:41 , Anonymous Anonym meinte...

Ein kritischer Gedanke: Ich frage mich grade ob eine "PETA-Approved Vegane"-Tasche sich unbedingt im Gewand eines Krokodils zeigen muss? Kann dies nicht grade Leder von geschützten Tieren wieder in Mode bringen, da nicht jeder den Unterschied (es soll ja auch nicht aussehen wie ein Imitat) sieht. Ich persönlich würde sie deshalb nicht kaufen.
Der Rest von Deinem Outfit gefällt mir gut auch die Idee mit der Capsule Wardrobe.
LG Blunia

 
Am/um 11. Mai 2016 um 10:34 , Blogger Barbara meinte...

Dankeschön :)
Ich empfehl dir Light By Coco von ganzem Herzen.

 
Am/um 11. Mai 2016 um 10:37 , Blogger Barbara meinte...

Dankeschön für deinen lieben Kommentar!
Ja, leider hat sie einen Lederpatch. Ich finde das immer so frustrierend, wenn Jeansmarken eigentlich vegan sein könnten und dann einen Lederpatch raufhauen. Meine Jeans von Wunderwerk zB. haben keinen.

Ich mag deinen Stil und deine Experimentierfreudigkeit total gerne. Mir hat es nur total dabei geholfen, den Druck, alles Mögliche haben zu müssen, loszuwerden. Nicht nur bei Kleidung, auch sonst. Bin gerade recht vom Minimalismus angetan :-)

 
Am/um 11. Mai 2016 um 10:55 , Blogger Barbara meinte...

Liebe Blunia!
Danke dir für deinen Kommentar. Ich hab ein bisschen darüber nachgedacht, was ich dir antworten möchte.
Grundsätzlich ist es ja so, dass man mit dem Kauf dieser Tasche eine Industrie unterstützt, die genau das verhindert, was deine Sorge ist, nämlich Taschen aus ECHTEM Krokodilleder.
Und während du meinst, dass das es dadurch wieder in Mode gebracht werden könnte, müsste man das dann ja auch auf alles andere, beispielsweise auch auf veganen Käse oder Burger oder Pflanzenmilch, umlegen. Ich glaube es bringt nichts, alles auf die Waagschale zu legen.
Aber am wichtigsten ist, finde ich, dass man sich nicht bei allem überlegen müssen sollte, wie es eventuell auf andere wirken könnte und welche Einflüsse auf andere man deshalb eventuell vermeiden sollte. Ich kaufe gerne fair. Auch in der Hoffnung, ein Vorbild für andere zu sein, und genau deshalb muss ich, glaube ich, kein schlechtes Gewissen haben.

Lieben Gruß,
Barbara

 
Am/um 16. Mai 2016 um 21:53 , Blogger strawberrymouse germany meinte...

Ich glaube, ich hab' ganz automatisch eine Capsule-Wardrobe :D Einen Großteil meiner Kleidung trage immer und mit viel Liebe bis zum "geht-nicht-mehr". Aber so ein bisschen aussortieren könnte ich mal...

 
Am/um 15. Juli 2016 um 09:26 , Anonymous Emma Martschinke meinte...

Liebe Barbara, super schöner Artikel! Und soll ich dir was sagen? Ich habe unheimlich Lust zu bekommen, meinen Schrank auszuräumen! Manche Dinge liegen da nur noch drin, weil ich sie mal mochte. Außerdem verbringt man viel zu viel Zeit mit der Outfitsuche, die man deutlich besser nutzen könnte. Vielen Dank für den guten Tipp! Emma <3

 

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